Ausschüttend oder thesaurierend: Was ist bei Dividenden-ETFs besser?
Bei Fonds und ETFs entscheidest du mit einem Häkchen, ob Erträge auf dein Konto fließen oder im Fonds bleiben. Die Wahl ändert weniger an der Rendite, als viele denken, aber einiges an Steuer, Komfort und Verhalten.
Der Unterschied in einem Satz
Ein ausschüttender Fonds überweist die Dividenden und Zinsen seiner Wertpapiere regelmäßig an dich. Ein thesaurierender Fonds legt sie sofort wieder im Fonds an. Der Kurs steigt dadurch stärker, die Erträge bleiben aber im Fondsvermögen. Die Bruttorendite vor Steuern ist grundsätzlich gleich, solange die Erträge reinvestiert werden.
Die Steuer in Deutschland
Für Aktienfonds mit mindestens 51 % Aktienanteil gilt eine Teilfreistellung von 30 %. Nur 70 % der Erträge werden besteuert. Der Steuersatz beträgt 26,375 % (Abgeltungsteuer plus Soli), ohne Kirchensteuer. Der Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € (2.000 € bei Ehepaaren) mindert das steuerpflichtige Ergebnis.
Ausschüttend
Thesaurierend: die Vorabpauschale
Auch ohne Ausschüttung will der Fiskus jährlich etwas sehen. Dafür gibt es die Vorabpauschale. Sie basiert auf einem vom Bundesfinanzministerium jährlich festgelegten Basiszins und ist auf den tatsächlichen Wertzuwachs des Jahres begrenzt.
Vorabpauschale = Fondswert zu Jahresbeginn × Basiszins × 70 % (höchstens der tatsächliche Wertzuwachs)
Die Steuer wird vom Verrechnungskonto abgebucht. Beim Verkauf wird die bereits versteuerte Vorabpauschale gegengerechnet. Du kannst beides mit dem Vorabpauschale-Rechner durchspielen.
Wo liegen die echten Unterschiede?
| Kriterium | Ausschüttend | Thesaurierend |
|---|---|---|
| Laufende Einnahmen | Ja, auf Konto | Nein |
| Zinseszins | Nur wenn du selbst reinvestierst (Gebühren, Aufwand) | Automatisch |
| Steuer während der Haltedauer | Auf die Ausschüttung | Vorabpauschale (meist klein) |
| Steuer beim Verkauf | Auf den Kursgewinn | Auf den Kursgewinn abzüglich versteuerter Vorabpauschalen |
| Freibetrag nutzen | Über Ausschüttungen jährlich | Über Vorabpauschale und Verkäufe |
| Psychologie | Einkommensgefühl, Sicherheit | Disziplin, aber weniger Zugriff |
Der entscheidende Vorteil des Thesaurierens ist Steuerstundung: Der größte Teil der Steuer fällt erst beim Verkauf an. Das Kapital arbeitet in der Zwischenzeit voll weiter. Der Vorteil des Ausschüttens ist Planbarkeit: Wer regelmäßig Geld braucht, muss nichts verkaufen und bekommt es automatisch.
Dividenden-ETF versus breiter Welt-ETF
Eine zweite, oft vermischte Frage ist die Strategie. Ein Dividenden-ETF kauft gezielt Unternehmen mit hoher oder wachsender Ausschüttung, etwa nach Kriterien wie bei den Dividendenaristokraten. Ein breiter Welt-ETF enthält dagegen alle großen Unternehmen. Dividenden sind dort nur ein Teil der Rendite, der Rest ist Kursgewinn.
- Dividendenstrategien sind nicht automatisch besser. Sie verschieben nur die Zusammensetzung des Ertrags und sind sektorlastiger.
- Ein Dividenden-ETF kann thesaurierend sein. Die Ausschüttung ist eine Eigenschaft der Anteilsklasse, nicht der Strategie.
- Wer ein regelmäßiges Einkommen will, kann sich auch aus einem thesaurierenden Welt-ETF versorgen, indem er planmäßig Anteile verkauft. Das ist steuerlich meist günstiger als eine hohe Ausschüttung, erfordert aber Disziplin.
Welche Variante passt zu wem?
- Vermögensaufbau, lange Sparphase: Thesaurierend ist meist einfacher und steuerlich effizienter.
- Laufender Zusatzbedarf, Rente: Ausschüttend ist bequem. Plane die Steuer ein.
- Gemischt: In der Sparphase thesaurierend, später in ausschüttend wechseln. Der Wechsel löst allerdings Steuer auf den Kursgewinn aus.
Mit den Rechnern kannst du beides vergleichen: Dividenden-Zinseszins-Rechner für Reinvestition, der ETF-Rechner auf der Startseite für den Sparplan.
Häufige Fragen
Sind thesaurierende ETFs steuerlich besser?
Meist ja, weil die Steuer größtenteils erst beim Verkauf anfällt (Stundungseffekt). Dem steht die jährliche Vorabpauschale gegenüber, die in der Regel klein ausfällt.
Was ist die Teilfreistellung?
Bei Aktienfonds mit mindestens 51 Prozent Aktienanteil bleiben 30 Prozent der Erträge steuerfrei. Nur 70 Prozent werden besteuert.
Was ist die Vorabpauschale?
Eine jährliche Mindestbesteuerung bei Fonds. Sie wird aus dem Fondswert, dem Basiszins und einem Faktor von 70 Prozent berechnet und ist auf den tatsächlichen Wertzuwachs begrenzt.
Ist ein Dividenden-ETF besser als ein Welt-ETF?
Nicht automatisch. Er setzt einen anderen Schwerpunkt, ist oft sektorlastiger und hat keine höhere Gesamtrendite garantiert. Entscheidend sind Kosten, Streuung und dein Ziel.
Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ist weder Anlage-, Steuer- noch Rechtsberatung. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust. Die Zahlenbeispiele sind frei gewählt und keine Prognose.