Shareholder Yield: Dividenden, Aktienrückkäufe und Schuldentilgung zusammen
Manche der besten Aktionärsunternehmen zahlen kaum Dividende und kaufen stattdessen eigene Aktien zurück. Wer nur die Dividendenrendite betrachtet, übersieht dann den halben Ertrag.
Die Idee dahinter
Unternehmen haben mehrere Wege, Gewinne an Aktionäre zurückzugeben. Sie zahlen Dividenden, kaufen eigene Aktien zurück oder tilgen Schulden, was das Eigenkapital stärkt. Der Shareholder Yield misst die Summe dieser Rückflüsse im Verhältnis zum Börsenwert.
Shareholder Yield = Dividendenrendite + Net Buyback Yield
Wer will, ergänzt die Schuldentilgung im Verhältnis zum Börsenwert. Üblich ist die kürzere Variante aus Dividende und Rückkäufen.
Net Buyback Yield: Rückkäufe abzüglich neuer Aktien
Aktienrückkäufe verringern die Zahl der Aktien. Bei gleichem Gewinn steigt der Gewinn je Aktie, und jede Aktie hat Anspruch auf einen größeren Anteil. Viele Unternehmen geben aber zugleich neue Aktien an Mitarbeiter aus. Dann ist der Nettoeffekt kleiner.
Net Buyback Yield = (Rückkäufe − Ausgabe neuer Aktien) ÷ Börsenwert
Ein Unternehmen, das Rückkäufe nur tätigt, um Verwässerung auszugleichen, gibt netto nichts zurück. Schau also immer auf die Entwicklung der Aktienzahl über mehrere Jahre, nicht nur auf die Höhe des Rückkaufprogramms.
Vorteile
- Vollständigeres Bild. Besonders bei Unternehmen, die über Rückkäufe ausschütten, etwa in der US-Technologie- und Finanzbranche.
- Flexibilität. Rückkäufe lassen sich in schlechten Jahren leichter zurückfahren als Dividenden. Das macht die Dividende sicherer.
- Steuerstundung. Du zahlst erst Steuer, wenn du verkaufst. Die Dividende wird dagegen sofort besteuert. Siehe Dividendenbesteuerung. Der Effekt ist ein Zeitgewinn, kein dauerhafter Steuervorteil.
Nachteile und Fallstricke
- Rückkäufe zu hohen Kursen vernichten Wert. Wer überteuerte Aktien zurückkauft, gibt Geld für etwas aus, das weniger wert ist. Gute Rückkäufe erfolgen unterhalb des inneren Werts, siehe Bewertung.
- Kreditfinanzierte Rückkäufe. Rückkäufe auf Pump erhöhen kurzfristig den Gewinn je Aktie, aber auch das Risiko. Prüfe Verschuldung und Free Cashflow.
- Kein Geld auf deinem Konto. Ein Rückkauf erhöht den Kurs und deinen Anteil, aber nicht dein Einkommen. Wer laufende Einnahmen braucht, muss Anteile verkaufen.
- Manipulation von Kennzahlen. Rückkäufe können gezielt eingesetzt werden, um Bonusziele auf Basis des Gewinns je Aktie zu erreichen.
- Unterschiedliche Quellen. Rückkäufe, Ausgaben und Aktienzahlen werden von Portalen unterschiedlich erfasst.
So nutzt du den Shareholder Yield
- Rechne ihn über drei bis fünf Jahre, nicht für ein einzelnes Jahr.
- Prüfe, ob die Aktienzahl tatsächlich sinkt.
- Stelle ihn der Gesamtausschüttung im Verhältnis zum Free Cashflow gegenüber. Liegt sie über 100 %, zahlt das Unternehmen mehr aus, als es erwirtschaftet.
- Kombiniere mit Ausschüttungsquote und Bewertung.
Im Bereich „Finanzen“ der Aktienseiten im siehst du Dividenden und Aktienrückkäufe nebeneinander im Verlauf.
Häufige Fragen
Was ist der Shareholder Yield?
Die Summe aus Dividendenrendite und Net Buyback Yield, also der Rendite aus Aktienrückkäufen abzüglich neu ausgegebener Aktien, bezogen auf den Börsenwert.
Sind Aktienrückkäufe besser als Dividenden?
Nicht grundsätzlich. Sie sind flexibler und steuerlich später fällig, bringen aber kein laufendes Einkommen und sind nur dann sinnvoll, wenn zu einem fairen oder niedrigen Kurs zurückgekauft wird.
Wie berechne ich die Net Buyback Yield?
Rückkäufe minus ausgegebene Aktien, geteilt durch den Börsenwert. Die Zahlen stehen in der Kapitalflussrechnung.
Warum ist der Nettoeffekt bei Rückkäufen wichtig?
Weil viele Unternehmen neue Aktien an Mitarbeiter ausgeben. Das gleicht Rückkäufe ganz oder teilweise aus, sodass die Aktienzahl trotz Programm kaum sinkt.
Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ist weder Anlage-, Steuer- noch Rechtsberatung. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust. Die Zahlenbeispiele sind frei gewählt und keine Prognose.