Dividendenaristokraten, Dividend Kings und Champions erklärt
Wer Jahr für Jahr die Dividende erhöht, hat in der Regel stabile Geschäfte und eine disziplinierte Führung. Genau auf diese Unternehmen zielt der Begriff Dividendenaristokrat. Doch wer drin ist, sagt noch nicht, wer gut ist.
Die Begriffe im Überblick
Im Dividendenuniversum kursieren mehrere Titel, die auf den ersten Blick ähnlich klingen. Sie haben unterschiedliche Regeln:
| Begriff | Kriterium (vereinfacht) | Herkunft |
|---|---|---|
| Dividend Aristocrats | Mitglied im S&P 500, mindestens 25 Jahre in Folge erhöhte Dividende, Mindestgröße und Handelsvolumen | Offizieller S&P-Index |
| Dividend Kings | Mindestens 50 Jahre in Folge erhöhte Dividende | Inoffizielle Liste, kein Index |
| Dividend Champions | Mindestens 25 Jahre in Folge erhöhte Dividende, an US-Börsen notiert | Inoffizielle Liste der Datensammlung von David Fish |
| Contenders und Challengers | 10 bis 24 bzw. 5 bis 9 Jahre Erhöhungen | Dieselbe Liste |
Daneben gibt es regionale Varianten wie europäische oder globale Dividend-Aristocrat-Indizes, die meist eine kürzere Mindesthistorie verlangen. Auf deutschen Börsen gibt es kaum Unternehmen mit 25 Jahren ununterbrochener Erhöhung. Hier gilt oft die Faustregel „Dividende nie gekürzt“ als Mindeststandard.
Wichtig: Es zählt jede Erhöhung, auch eine um einen Cent. Ein Unternehmen, das 25 Jahre lang die Dividende um 0,5 % anhebt, qualifiziert sich genauso wie eines mit 10 % Wachstum. Ein Blick auf die Wachstumsrate ist also Pflicht.
Was für die Strategie spricht
- Qualitätsfilter. Wer über Jahrzehnte durch Rezessionen, Zinswenden und Krisen die Dividende erhöht, muss stabile Erträge und einen starken Cashflow haben. Unternehmen mit schwachen Geschäftsmodellen scheiden aus.
- Disziplin der Führung. Die Dividendenserie ist ein öffentliches Versprechen. Manager kürzen sie ungern und planen deshalb vorsichtiger.
- Wachsendes Einkommen. Steigende Dividenden gleichen Inflation aus und erhöhen die Yield on Cost, die Rendite auf den ursprünglichen Kaufpreis. Siehe Dividendenwachstum.
- Defensivere Kursverläufe. In Abschwüngen haben solche Aktien historisch häufig weniger verloren als der breite Markt, ohne dass das garantiert wäre.
Was dagegen spricht
- Vergangenheit ist keine Garantie. Auch langjährige Aristokraten haben ihre Serie beendet, wenn das Geschäft kippte. Die Liste ändert sich jedes Jahr.
- Der Überlebensfehler. Wer heute die Liste betrachtet, sieht nur die Gewinner. Unternehmen, die vorher kürzten und herausfielen, tauchen in der Erfolgsbilanz nicht mehr auf.
- Bewertung zählt. Beliebte Aristokraten sind oft teuer. Zahlt man zu viel, frisst die Bewertungskorrektur Jahre an Dividendenwachstum. Siehe KGV und DCF.
- Niedrige Anfangsrendite. Viele Aristokraten bieten 1 bis 3 % Rendite. Wer sofort Einkommen braucht, wartet lange.
- Klumpenrisiken. Die Listen sind in einzelnen Sektoren wie Konsumgütern, Industrie und Gesundheit überrepräsentiert, andere Sektoren wie Technologie waren lange unterbesetzt.
- Steuer und Quellensteuer. US-Dividenden unterliegen einer Quellensteuer, die sich bei richtiger Formularlage auf 15 % begrenzen lässt, siehe USA: Quellensteuer und W-8BEN.
So nutzt du die Listen sinnvoll
- Als Ideenquelle, nicht als Kaufliste. Die Listen sind ein guter Startpunkt für eigene Analysen.
- Prüfe jede Aktie einzeln: Ausschüttungsquote, Free Cashflow, Verschuldung, Wachstum der Dividende in Prozent.
- Achte auf die Bewertung im Verhältnis zur eigenen Historie.
- Diversifiziere über Sektoren und Länder.
- Alternativ: ETF. Es gibt ETFs auf Dividend-Aristocrat-Indizes. Sie nehmen Einzelauswahl ab, bringen aber eigene Fragen zu Steuer und Ausschüttung mit, siehe ausschüttend oder thesaurierend.
Im kannst du nach Jahren mit Dividendenwachstum filtern, im die tatsächliche Dividendenhistorie jeder Aktie nachsehen.
Häufige Fragen
Was ist ein Dividendenaristokrat?
Ein Unternehmen aus dem S&P 500, das seine Dividende mindestens 25 Jahre in Folge erhöht hat und bestimmte Größen- und Liquiditätskriterien erfüllt.
Was sind Dividend Kings?
Unternehmen, die ihre Dividende mindestens 50 Jahre in Folge erhöht haben. Die Liste ist inoffiziell und nicht an einen Index gebunden.
Sind Dividendenaristokraten ein sicheres Investment?
Nein. Sie sind tendenziell stabile Qualitätsunternehmen, aber auch sie können ihre Serie beenden. Bewertung, Verschuldung und Cashflow müssen geprüft werden.
Gibt es Dividendenaristokraten in Deutschland?
Unternehmen mit 25 Jahren ununterbrochener Erhöhung sind in Deutschland selten. Viele Anleger nutzen deshalb weniger strenge Kriterien, etwa eine über viele Jahre nicht gekürzte Dividende.
Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ist weder Anlage-, Steuer- noch Rechtsberatung. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust. Die Zahlenbeispiele sind frei gewählt und keine Prognose.