Aktienrückkauf erklärt: Wirkung, Vorteile und Risiken
Neben der Dividende ist der Aktienrückkauf der zweite große Weg, Geld an Aktionäre zurückzugeben. Er wirkt anders, wird anders besteuert und kann klug oder ärgerlich sein.
Wie ein Rückkauf funktioniert
Das Unternehmen kauft eigene Aktien über die Börse oder per Angebot und zieht sie ein oder behält sie. Die Zahl der ausstehenden Aktien sinkt. Jede verbleibende Aktie steht für einen größeren Anteil am Unternehmen, das EPS steigt bei gleichem Gewinn.
Beispiel
Ein Unternehmen mit 100 Millionen Aktien und 500 Millionen Euro Gewinn (EPS 5 Euro) kauft 5 % seiner Aktien zurück. Bei unverändertem Gewinn liegt das EPS danach bei etwa 5,26 Euro, ein Plus von gut 5 %.
Vorteile für Aktionäre
- Flexibilität. Rückkäufe lassen sich anpassen, ohne dass der Markt wie bei einer Dividendenkürzung reagiert.
- Steuern. Aktionäre, die verkaufen oder halten, entscheiden selbst über den Zeitpunkt der Besteuerung. Dividenden dagegen werden sofort versteuert.
- Anteil wächst. Wer nicht verkauft, besitzt einen größeren Unternehmensanteil.
Risiken und Kritik
- Zu hohe Kurse. Wer Aktien bei überhöhter Bewertung zurückkauft, vernichtet Wert.
- Schulden für Rückkäufe. Finanziert ein Unternehmen Rückkäufe mit Krediten, steigt das Risiko, vor allem bei höheren Zinsen.
- Verwässerungsausgleich. Manche Programme gleichen nur Aktien aus, die Mitarbeiter als Vergütung erhalten. Die Aktienzahl sinkt dann netto kaum.
- Kein Zufluss. Du bekommst kein Geld aufs Konto. Wer laufende Einnahmen braucht, muss selbst verkaufen.
Gute Rückkäufe erkennen
- Die Aktienzahl sinkt über mehrere Jahre tatsächlich.
- Der Rückkauf wird aus dem Free Cashflow bezahlt, nicht aus Schulden.
- Die Verschuldung bleibt im Rahmen.
- Die Bewertung ist nicht auffällig hoch, etwa gemessen am KGV.
Dividende plus Rückkauf: Shareholder Yield
Für die Gesamtbetrachtung addiert man Dividendenrendite und Rückkaufrendite. Mehr dazu im Artikel Shareholder Yield.
Häufige Fragen
Sind Rückkäufe besser als Dividenden?
Keines ist grundsätzlich besser. Es hängt von Bewertung, Steuersituation und Verhalten des Unternehmens ab. Viele Konzerne nutzen beides.
Wo sehe ich, ob zurückgekauft wird?
Im Bericht unter Eigenkapitalveränderungen und Kapitalflussrechnung sowie in der Entwicklung der Aktienzahl über mehrere Jahre.
Zahlt man Steuern auf Rückkäufe?
Als Aktionär nicht automatisch. Steuern fallen erst bei einem Verkauf deiner Aktien an, im Rahmen deiner Kursgewinnbesteuerung.
Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ist weder Anlage-, Steuer- noch Rechtsberatung. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust. Die Zahlenbeispiele sind frei gewählt und keine Prognose.