Eigenkapitalrendite (ROE) und ROIC: Wie profitabel arbeitet ein Unternehmen?
Zwei Unternehmen verdienen je 100 Millionen Euro. Das eine braucht dafür 500 Millionen Euro Kapital, das andere 2 Milliarden. Welches ist die bessere Dividendenaktie? Die Antwort liefern ROE und ROIC.
Eigenkapitalrendite (ROE)
Die Eigenkapitalrendite (return on equity, ROE) misst, wie viel Gewinn ein Unternehmen mit dem Geld seiner Aktionäre erwirtschaftet.
ROE (%) = Jahresüberschuss ÷ durchschnittliches Eigenkapital × 100
Dauerhaft hohe ROE-Werte deuten auf ein starkes Geschäftsmodell hin: Marken, Marktstellung, Preissetzungsmacht. Solche Unternehmen können Gewinne zu hohen Renditen reinvestieren und Dividenden steigern, ohne neues Kapital zu brauchen. Diese Verbindung beschreibt der Artikel zum Dividendenwachstum.
Die DuPont-Zerlegung: Woher kommt der ROE?
Der ROE lässt sich in drei Faktoren zerlegen:
ROE = Nettomarge × Kapitalumschlag × Eigenkapitalhebel
- Nettomarge: Gewinn geteilt durch Umsatz. Wie viel bleibt vom Verkauf hängen?
- Kapitalumschlag: Umsatz geteilt durch Gesamtvermögen. Wie effizient wird das Vermögen genutzt?
- Eigenkapitalhebel: Gesamtvermögen geteilt durch Eigenkapital. Wie stark ist das Unternehmen mit Schulden finanziert?
Wann der ROE täuscht
- Schulden treiben ihn. Mehr Fremdkapital senkt das Eigenkapital im Nenner und erhöht den ROE, ohne dass das Geschäft besser wird.
- Aktienrückkäufe verkleinern das Eigenkapital. Der ROE steigt rechnerisch, auch wenn der Gewinn stagniert. Bei negativem Eigenkapital ist er nicht definiert, siehe KBV und KUV.
- Einmalgewinne und Zyklen. Ein Spitzenjahr liefert einen Spitzen-ROE. Besser ist ein Durchschnitt über fünf bis zehn Jahre.
ROIC: die robustere Alternative
Der return on invested capital (ROIC) misst den Ertrag auf das gesamte eingesetzte Kapital, Eigen- und Fremdkapital zusammen. Er ist damit weniger anfällig für Finanzierungstricks.
ROIC (%) = operativer Gewinn nach Steuern (NOPAT) ÷ investiertes Kapital × 100
NOPAT ist der operative Gewinn (EBIT) abzüglich der Steuern, die darauf anfielen, so als hätte das Unternehmen keine Schulden. Investiertes Kapital ist grob Eigenkapital plus verzinsliche Schulden minus überschüssige Barmittel.
Entscheidend ist der Vergleich mit den Kapitalkosten (WACC), also dem, was Eigen- und Fremdkapitalgeber mindestens erwarten, meist grob 7 bis 10 %. Liegt der ROIC dauerhaft darüber, schafft das Unternehmen Wert, und Wachstum macht die Aktionäre reicher. Liegt er darunter, vernichtet Wachstum Wert. Dann ist eine hohe Ausschüttung manchmal sogar die bessere Wahl als Reinvestition.
Was das für Dividendeninvestoren bedeutet
- Ein stabil hoher ROIC ist eine gute Basis für wachsende Dividenden, weil das Unternehmen Gewinne rentabel reinvestieren kann.
- Ein sinkender ROIC bei steigender Ausschüttung ist ein Warnzeichen. Das Geschäft wird weniger profitabel, die Dividende bleibt.
- Sehr hohe Kapitalrenditen sind oft ein Zeichen für eine wirtschaftliche Schutzmauer: Marke, Netzwerk, Kostenvorteile. Prüfe, ob sie dauerhaft ist.
Im kannst du Gewinn und Eigenkapital über mehrere Jahre vergleichen und so die Entwicklung der Rendite nachverfolgen. Kombiniere sie mit Free Cashflow und Verschuldung.
Häufige Fragen
Was ist eine gute Eigenkapitalrendite?
Viele Anleger sehen dauerhaft 10 bis 15 Prozent oder mehr als solide an. Entscheidend ist, dass sie nicht durch hohe Schulden oder Einmaleffekte entsteht und im Branchenvergleich besteht.
Was ist der Unterschied zwischen ROE und ROIC?
Der ROE bezieht den Gewinn nur auf das Eigenkapital. Der ROIC bezieht den operativen Gewinn auf Eigen- und Fremdkapital zusammen und ist damit weniger von der Finanzierung abhängig.
Warum ist ein hoher ROE nicht immer gut?
Er kann durch hohe Verschuldung, Aktienrückkäufe oder Einmalgewinne entstehen. Dann spiegelt er höheres Risiko wider, nicht bessere Geschäfte.
Wie hängen ROIC und Dividenden zusammen?
Ein hoher und stabiler ROIC erlaubt es, Gewinne rentabel zu reinvestieren und trotzdem Dividenden zu steigern. Fällt er unter die Kapitalkosten, wird Wachstum unrentabel.
Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ist weder Anlage-, Steuer- noch Rechtsberatung. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust. Die Zahlenbeispiele sind frei gewählt und keine Prognose.