Analyse
Intel implodiert, Amazon und Co. enttäuschen den Markt
Enttäuschende Zahlen von Alphabet, Amazon und Intel schicken die US-Börsen am Freitag ins Minus. Dazu kommen ein Milliarden-Hack bei Binance, ein Ölpreis um 112 Dollar und Signale der Fed für eine Zinserhöhung im Dezember.

Kurz gesagt
Nasdaq 100: −3,5 % auf 28.370 Punkte S&P 500: −1,9 % auf 7.574 Punkte
- Auslöser: Nach Alphabet am Donnerstag enttäuschten Amazon und Intel. Intel verliert rund 30 % und erlebt den schlechtesten Handelstag seiner Geschichte, weil teure Speicherchips den PC-Absatz drücken und der Konzern bis mindestens Mitte 2027 keine Besserung erwartet.
- Breite der Verluste: Chipwerte, Netzausrüster und weitere KI-Profiteure fallen mit. AMD und Qualcomm verlieren über 10 %, und die Sorge gilt zunehmend den hohen Investitionen der großen Cloud-Anbieter.
- Drumherum: Der Ölpreis steigt auf rund 112 Dollar, Gold fällt um 3,5 %, und die Fed signalisiert eine Zinserhöhung im Dezember.
Warum Intel allein den Markt nicht erklärt
Der Freitag war der Höhepunkt einer Woche, in der die Stimmung gegenüber der künstlichen Intelligenz gekippt ist. Auf eine Erholung nach dem Börsenantrag (S-1) von Anthropic folgte der Einbruch bei Alphabet, dessen Aktie nach Angaben des Wall Street Journal den schlechtesten Tag ihrer Geschichte hatte. Am Donnerstagabend legten Amazon und Intel nach.
Intel traf es am härtesten: Die Aktie verlor rund 30 %, laut Wall Street Journal der größte Tagesverlust, den es bei dem Konzern je gab. Seit Anfang Juli ist sie nach den Daten des Handelsblatts von 109,10 auf 59,32 US-Dollar gefallen, ein Minus von 45,6 %. Der Grund liegt im Kerngeschäft: Die hohen Preise für Speicherchips bremsen den PC-Absatz. Hinzu kommt ein Ausblick, den das Handelsblatt als massiv unter den Erwartungen beschreibt. Die Details zu den Zahlen stehen in unserer Analyse.
Amazon lieferte ein gemischtes Bild. Der Nettogewinn lag im dritten Quartal über 20 Milliarden Dollar, das Cloud-Geschäft wuchs so stark wie seit Jahren nicht. Der freie Cashflow brach jedoch ein, und die Aktie gab zeitweise bis zu 8 % nach, am Ende blieb ein Minus von etwa 1,5 bis 2 %. Der Markt wollte nach der Alphabet-Enttäuschung mehr sehen. Dazu passt, was John Higgins von Capital Economics dem Wall Street Journal sagte: Die Anleger würden nervöser, weil der Investitionsboom der Cloud-Konzerne teils von externer Finanzierung abhängt.
Auch der Speicherspezialist SanDisk und der Cloud-Anbieter Coreweave gaben nach Angaben des Handelsblatts deutlich nach. Wie sehr die Furcht vor dem Ende des KI-Booms auch Firmen abseits der Technologie trifft, zeigt Caterpillar. Der Maschinenbauer profitierte von der Nachfrage der Rechenzentren nach Generatoren. Die Aktie ist im Monatsverlauf um über 20 % gefallen, obwohl die Quartalszahlen nach Angaben des Journals solide waren.
Die Indizes im Überblick
- Dow Jones: −1,1 % auf rund 51.790 Punkte
- S&P 500: −1,9 % auf rund 7.575 Punkte
- Nasdaq Composite: −2,9 % auf rund 25.410 Punkte
- Nasdaq 100: −3,5 % auf 28.370 Punkte
Für den Nasdaq steuert der Oktober damit auf den schwächsten Monat seit März 2025 zu. Der Index liegt laut Wall Street Journal rund 8,5 % unter seinem Rekordhoch.
Öl, Zinsen und Kryptowerte
Öl: Brent kletterte auf etwa 112 bis 113 Dollar. Nach einem Angriff auf einen Tanker in der Straße von Hormus, den die britische Seehandelsbehörde UKMTO meldet, und ukrainischen Angriffen auf eine russische Raffinerie, die eine von den USA geforderte Pause beendeten, stieg der Preis wieder. Zu den Ölkonzernen lesen Sie unsere Berichte zu Exxon und Chevron.
Zinsen: Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen fiel auf etwa 4,93 %, deutlich weniger, als die Flucht aus Aktien erwarten ließe. Nach Einschätzung des Journals hängt das damit zusammen, dass Anleger weiter eine Zinserhöhung erwarten: Die Fed hat diese Woche pausiert, doch mehrere Vertreter signalisierten, im Dezember weiter anzuheben. Dallas-Fed-Präsidentin Lorie Logan sagte laut Wall Street Journal: „Eine Sitzung auszulassen ändert nichts am Ziel der Geldpolitik" (aus dem Englischen übersetzt).
Gold und Kryptowerte: Gold verlor rund 3,5 % und liegt bei etwa 3.890 Dollar, Silber und Gold erreichten laut Handelsblatt den niedrigsten Stand seit einem Jahr. Bei Kryptowerten drückt ein Hackerangriff auf die Börse Binance die Stimmung: Nach Berichten des Journals wurden rund 6,3 Milliarden Dollar erbeutet, der größte Krypto-Hack der Geschichte, mehr als viermal so groß wie der Fall Bybit im Vorjahr. Binance will die Verluste der Kunden ausgleichen. Der Bitcoin liegt bei rund 76.800 Dollar und hat kaum nachgegeben.
Was auffällt
Die Verluste verteilen sich ungleich: Der Dow Jones mit seinen Standardwerten gab 1,1 % nach, der technologielastige Nasdaq 100 dagegen 3,5 %. Der Freitag zeigt damit, wie stark der Gesamtmarkt an wenigen KI-nahen Werten hängt. Das ist keine Empfehlung und keine Prognose, sondern die Beschreibung des Handelstags.
Quellen
- Wall Street Journal, Live-Ticker „Stock Market Today: Deepening Tech Selloff Pushes Nasdaq Toward Its Worst Month in Over a Year", 30.10.2026 (mit Beiträgen von Ed Ballard, Sam Goldfarb und Nick Timiraos)
- Handelsblatt, „Nasdaq 100 auf Talfahrt – Intel-Aktie verliert 30 Prozent", 30.10.2026, 20:57 Uhr
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