PEG Ratio: Das KGV im Verhältnis zum Wachstum
Ein KGV von 30 klingt teuer, ein KGV von 12 günstig. Doch was, wenn das teure Unternehmen dreimal so schnell wächst? Die PEG Ratio versucht, diese Lücke zu schließen.
Was die PEG Ratio misst
Die PEG Ratio (price/earnings-to-growth) teilt das KGV durch das erwartete jährliche Gewinnwachstum in Prozent. Bekannt gemacht hat sie der amerikanische Fondsmanager Peter Lynch. Seine Idee: Ein Unternehmen, dessen Gewinn schneller wächst als sein KGV hoch ist, ist ein attraktiver Kauf.
PEG = KGV ÷ erwartetes Gewinnwachstum pro Jahr (in %)
Die Faustregel und ihre Grenzen
Als grobe Orientierung gilt: Ein PEG von etwa 1 bedeutet, dass Bewertung und Wachstum zusammenpassen. Deutlich darunter wirkt die Aktie günstig, deutlich darüber teuer. Das ist eine Daumenregel, kein Naturgesetz. Sie taugt, um Kandidaten zu sortieren, nicht um Kaufentscheidungen zu begründen.
Die Schwächen sind offensichtlich, wenn man die Formel auseinandernimmt:
- Das Wachstum ist eine Schätzung. Der Nenner stammt meist aus Analystenprognosen für drei bis fünf Jahre. Kleine Änderungen daran verändern das Ergebnis stark. Bei 8 statt 12 % Wachstum springt das PEG der Aktie A von 2,0 auf 3,0.
- Welcher Zeitraum? Zählt das Wachstum des nächsten Jahres, der nächsten fünf Jahre oder der letzten fünf? Portale nutzen unterschiedliche Definitionen.
- Wachstum ist nicht gleich Wachstum. Gewinnwachstum durch Aktienrückkäufe, Kostensenkungen oder Zukäufe ist weniger nachhaltig als organisches Umsatzwachstum.
- Bei niedrigem Wachstum bricht die Formel zusammen. Wächst der Gewinn nur um 1 %, wird das PEG riesig, auch wenn die Aktie fair bewertet ist. Bei Null oder negativem Wachstum ist sie unbrauchbar.
- Risiko fehlt. Ein stabiler Konsumgüterkonzern und ein zyklischer Halbleiterhersteller mit gleichem PEG sind nicht gleich viel wert.
PEGY: die Variante für Dividendenaktien
Für Aktien, die einen großen Teil ihres Ertrags als Dividende ausschütten, benachteiligt das klassische PEG. Ein Versorger mit 3 % Wachstum und 5 % Dividendenrendite sieht schlecht aus, obwohl der Anleger insgesamt gut bezahlt wird. Deshalb gibt es die Erweiterung PEGY, die die Dividendenrendite zum Wachstum addiert:
PEGY = KGV ÷ (Gewinnwachstum in % + Dividendenrendite in %)
So setzt du die PEG Ratio sinnvoll ein
- Vergleiche nur innerhalb einer Branche. Versorger gegen Versorger, Softwarefirma gegen Softwarefirma.
- Rechne mit mehreren Wachstumsannahmen. Eine konservative, eine mittlere, eine optimistische. Wenn die Aktie nur im optimistischen Fall günstig ist, steht sie auf wackligen Beinen.
- Prüfe, woher das Wachstum kommt. Umsatz, Marge, Rückkäufe? Ein Blick in die Entwicklung von Umsatz und Gewinn im zeigt, ob das Wachstum der Vergangenheit mit den Prognosen mithalten kann.
- Kombiniere mit Free Cashflow und Verschuldung. Wachstum, das nur auf Pump entsteht, ist kein Qualitätsmerkmal.
Für dividendenorientierte Anleger ist die PEG(Y) vor allem ein Filter, der teure Wachstumsgeschichten von gut bezahlten Dividendenwerten trennt. Wer langfristig Dividendenwachstum sucht, findet im Artikel zum Dividendenwachstum den passenden Gegenpart.
Häufige Fragen
Was ist eine gute PEG Ratio?
Als Faustregel gilt ein Wert um 1 als ausgewogen, deutlich darunter als günstig und deutlich darüber als teuer. Das hängt stark von der Qualität der Wachstumsschätzung und der Branche ab.
Welches Wachstum gehört in die PEG-Formel?
Meist das erwartete jährliche Gewinnwachstum der nächsten drei bis fünf Jahre laut Analystenschätzungen. Wichtig ist, bei Vergleichen dieselbe Definition zu verwenden.
Warum gibt es die PEGY?
Weil das klassische PEG Aktien mit hoher Dividende benachteiligt. Die PEGY addiert die Dividendenrendite zum Wachstum und bewertet damit den gesamten erwarteten Ertrag.
Wann ist die PEG Ratio nicht aussagekräftig?
Bei Unternehmen mit sehr niedrigem, negativem oder stark schwankendem Gewinnwachstum, bei Zyklikern und bei Firmen, deren Wachstum auf Einmaleffekten beruht.
Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ist weder Anlage-, Steuer- noch Rechtsberatung. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust. Die Zahlenbeispiele sind frei gewählt und keine Prognose.